Den WWOOF-Spirit leben – Das Pfingstfestival 2024 aus Sicht der Höflerin Christina

Jun 8, 2024

Als ich gerade vom Melken der Schafe zurückkam, bebte der Tanzboden über mir. Während ich mir noch Gedanken über die Statik der Scheune machte, hörte ich von oben fröhliches Lachen, Musik und das rhythmische Stampfen einer größeren Gruppe Menschen. Ich glaube, so viele hatten sich noch nie hier oben zum gemeinsamen Tanzen versammelt. Anja erklärte die Tänze, und Peer spielte mit Sohn und Freunden in der Tanzband.

Vielleicht ist das das Besondere für uns alle bei diesem diesjährigen Pfingstfestival von WWOOF in unserer Höfegemeinschaft: Wie wir es geschafft haben, alles gemeinsam zu stemmen und unsere jeweiligen Talente einzubringen.

Frank, der Motivator und Organisator des jährlichen Pfingstfestivals, hatte uns das Treffen vorgeschlagen und angepriesen. Lange haben wir überlegt, ob wir uns das zutrauen, so ein Festival bei uns durchzuführen. Die Gegebenheiten sind sehr schön, aber mit unserer abgelegenen Lage nicht unbedingt ideal, um große Gruppen zu beherbergen.

Frank nahm uns viele Bedenken: Toiletten konnten vorher gebaut werden, es gab ExpertInnen in der Gruppe für alles. Und Frank selbst hatte einen reichen Erfahrungsschatz aus den letzten 30 Jahren Pfingsttreffen und wusste, worauf es ankam.

Also machten wir uns an die Arbeit. Wir planten verschiedene Projekte, organisierten das Material, das Küchenteam dachte sich Rezepte aus, wir bereiteten Baustellen vor und räumten auf. Es war ganz schön viel zu tun im Vorfeld und manchmal erschien es überwältigend viel.

Ich war bei dem Ganzen in einer Doppelrolle unterwegs: Als Teil des Küchenteams sorgte ich für die Verpflegung, und als Fotografin hielt ich das Ereignis in Bildern fest.

Die Vorbereitungen hatten sich ausgezahlt. Die WWOOFer:innen verteilten sich nach einem Hofrundgang am Freitag auf die verschiedenen Projekte. Vieles wurde in den kommenden Tagen ein gutes Stück vorangebracht und fertiggestellt.

Immer wenn ich jetzt mit dem Fahrrad auf den Hof fahre, überquere ich die Brücke über den Bach und denke mir: „Was für eine schöne Brücke.“

Dann erinnere ich mich daran, wie sie von drei WWOOFer:innen in diesen Tagen komplett erneuert wurde. Alle alten Balken wurden im laufenden Betrieb ersetzt, der Aufgang wurde gemauert und das Geländer befestigt. Es war beeindruckend zu sehen, wie die drei zusammenarbeiteten, planten und durchführten.

Ein Hühnerwagen ist fast fertig und wartet auf seine BewohnerInnen.

Die große Scheunenwand wurde im traditionellen Lehmbau-Stil teilweise erneuert. Hier zeigte sich der Innovationsgeist der Gruppe, die herausfand, dass sich der Lehmputz am besten durch Stampfen vorbereiten lässt.

Der Weg zwischen Käserei und Käsekeller wurde zum Teil neu gepflastert. Die Steine, die dazu bewegt wurden, waren beeindruckend groß und alleine nicht zu bewältigen gewesen.

Im Garten entstanden neue dekorative Weidengeflechte.

In einem abgelegenen Bereich des Geländes, intern als „Entspanien“ bekannt, wurde eine mit Feuer beheizbare Badewanne gebaut und es konnte auch gleich angebadet werden. Außerdem wurde hier der Grundstein für einen Pizzaofen gemauert.

„Wenn es einen WWOOF-Spirit gibt –

an diesem Wochenende haben

wir ihn gelebt!“

Einige WWOOFer:innen halfen auf den Feldern der Höfe bei den im Frühling anstehenden Tätigkeiten: Jäten, Rüben verziehen, Pflanzen, Mist verteilen, Gießen und sehr solide Gerüste bauen.

Wenn gerade nicht an den Projekten gearbeitet wurde, fand man die Helfenden überall auf dem Gelände verstreut, in Gespräche vertieft, in der Sonne liegen, im Fluss baden oder sie halfen bei den täglichen Hof-Routineaufgaben, die nebenbei auch noch stattfanden.

Das Kochen für die Meute machte Spaß…


… auch wenn es Mengen zu verarbeiten galt, die ich bisher noch nicht gewohnt war. Besonders gefreut hat mich, dass fast die Hälfte der benötigten Lebensmittel von den Höfen selber stammte und dass es allen geschmeckt hat.

Als Fotografin konnte ich den Fortschritt der einzelnen Projekte verfolgen und versuchte, auch die Gesamtstimmung einzufangen. Zum Beispiel das Rahmenprogramm, das aus der Gemeinschaft heraus organisiert wurde. Jeden Morgen begann Anja mit einer Yoga-Session. Der eingangs erwähnte Tanzabend ist jetzt schon legendär. Es gab eine freie Malsession mit improvisierter Livemusik von Peer und Band, die bei einigen BesucherInnen großen Eindruck hinterließ.

Das Pfingstfestival wurde für uns auch zu einem Familienevent. Fast alle erwachsenen Kinder kamen zurück, unterstützten uns und leiteten Projekte. So wurden auch Impulse für die Organisation aufgegriffen und der Zeitplan an den Hofalltag angepasst. Am Samstagabend gab es nicht nur ein Lagerfeuer, sondern auch ein feines Techno-Event.

Der Projektrundgang am Montag war ein gelungener Abschluss. Jedes Team erzählte etwas von der Arbeitsweise und wir bestaunten den Fortschritt der Dinge. Hier wurde mir auch klar, welche Bedeutung das Pfingsttreffen für einige der Helfenden hat. Mit den Worten einer WWOOFerin: „Ich lerne hier jedes Jahr ein bisschen was Neues. Dieses Jahr habe ich mich mit Lehmbau beschäftigt. In ein paar Jahren kann ich mir mein eigenes Haus bauen.“

Als am Montag alles aufgeräumt und abgebaut war, waren wir erschöpft. Die nächste Woche brachte einige Überraschungen, sodass wenig Zeit blieb, alles in Ruhe zu verarbeiten. Aber ich bin mir sicher, dass dieses Festival in uns allen nachwirkt. Sei es, dass wir uns beim Arbeiten auf dem Feld auf einmal an Gespräche erinnern, sei es, dass wir selber neue Erfahrungen gemacht und viel gelernt haben (Kochen für große Gruppen in meinem Fall). Oder sei’s auch, dass wir jetzt das ein oder andere angefangene Projekt zu Ende bringen.

Die Erinnerung an diese Tage im Mai hat sich in die Höfe eingeschrieben. Es war schön zu sehen, wie Menschen gemeinsam etwas voranbringen und mitzuerleben, wie aus vielen Individuen eine Gruppe wird.

von Christina Häublein
WWOOF Hof Unterhammer

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