



Abenteuer-Urlaub auf dem Bauernhof
(von WWOOFerin Clara, Mutter zweier Kinder)
Woher kommen eigentlich die Eier aus dem Supermarktregal? Und woraus wird Brot gemacht? Wachsen Erdbeeren an Bäumen? Und Melonen auch?
Natürlich bekommen unsere Kinder heutzutage Antworten auf diese Fragen, von uns Eltern, aus Büchern, Videos, von Erziehern und Lehrern.
Was aber wirklich hinter der Produktion von Lebensmitteln steckt, wie viel Energie in die Herstellung von einem Stück Käse gesteckt wird, wie mühsam es ist, Erdbeeren zu ernten und liebenswert und lustig ein Schwein sein kann, welches bei uns nur als Schinken auf dem Teller landet, das können sich die meisten Kinder nicht vorstellen. Und auch uns Erwachsenen fällt es oft schwer, unsere Lebensmittel zu schätzen und uns immer wieder bewusst zu machen, wie wertvoll sie sind. Es liegt ja das ganze Jahr über alles in Hülle und Fülle zu kleinsten Preisen im Supermarktregal. Da fällt es leicht, zu vergessen, welch einen langen Weg diese Lebensmittel hinter sich haben und wie viel Arbeit in jedem einzelnen steckt, vor allem in hochwertig und umweltfreundlich produzierten Lebensmitteln. Und darum fällt es uns auch so leicht, Lebensmittel wegzuschmeißen.
Bei Schulkindern erlebe ich regelmäßig, wie Frühstücksbrote und Obst im Mülleimer landen und stattdessen lieber Süßigkeiten im benachbarten Supermarkt gekauft werden. Aber auch wir Erwachsenen kaufen oft unüberlegt zu viel ein und schmeißen dann Lebensmittel weg, sobald sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, um wieder Platz im Kühlschrank zu schaffen. Wohin soll das nur führen?
Mir liegt es schon seit langem sehr am Herzen, Kindern einen verantwortungsbewussten, respektvollen Umgang mit unserer Umwelt, unserer Tier- und Pflanzenwelt und damit auch mit unseren Lebensmittel zu vermitteln und vorzuleben.
Die Weisheit indigener Völker : „Wir haben die Erde von unseren Großeltern nicht geerbt, sondern von unseren Kindern nur geliehen…“ liegt mir sehr am Herzen. Wir müssen unsere Umwelt schützen, um auch unseren Kindern und Enkelkindern noch ein Leben auf dieser Erde ermöglichen zu können.
Und dafür eignet sich ein Abenteuerurlaub auf dem Bio-Bauernhof mit der ganzen Familie ganz hervorragend!!!
Seit 5 Jahren mache ich selber mit meinen beiden Kindern während der Schulferien WWOOF-Urlaub und wir sind alle sehr begeistert.
Bei unserem ersten Mal verschlug es uns auf einen kleinen Bauernhof in der Nähe der Ostseeküste. Wir bezogen dort einen Wohnwagen, der von zwei Seiten von Mirabellen-Sträuchern umgeben war. Vor uns lag eine riesige Kuhweide.
Auf dem Hof wurden Obst, Gemüse, Getreide und Kartoffeln angebaut, es gab Hühner, Gänse, Enten, Schweine, eine ganze Herde Milchkühe und eine Imkerei. Einmal pro Woche wurde im Holzofen eigenes Brot gebacken. Die Felder wurden mit zwei Kaltblut-Pferden bewirtschaftet.
Meine Kinder waren von Anfang an begeistert. Vor dem Frühstück durften wir die kleinen Entenküken versorgen. Zum Frühstück gab es dann das eigene Brot mit eigener Marmelade, frisch geernteten Kirschen, frisch gemolkener Milch und Kräutertee. Vormittags halfen wir beim Ernten von Beeren, Tomaten und Bohnen oder misteten den Hühnerstall aus. Bei der Kartoffelernte durchpflügten die zwei Kaltblut-Pferde die Reihen und warteten geduldig, bis die nächste Reihe dran kam.
Meine Kinder waren damals 10 und 13 Jahre alt und bereit, mit anzupacken. Mein Sohn freute sich sehr, dass er von dem Landwirt regelmäßig zu den „Männer-Arbeiten“ mitgenommen wurde und saß stolz neben ihm auf dem Traktor oder auf dem Kutschbock.
Mittags läutete dann eine Glocke und alle versammelten sich an einem großen Holztisch unter einem alten Kirschbaum vor dem Bauernhaus. Auch zum Mittagessen gab es fast ausschließlich Erzeugnisse aus eigenem Anbau, leckere Gemüsepfannen mit Pellkartoffeln und große Schüsseln mit Salat. Vieles davon hatten wir gerade erst am Vormittag geerntet.
Wenn die Arbeit am frühen Nachmittag beendet war, schwangen wir uns auf die Räder und verbrachten den Rest des Tages am Ostseestrand.
Für mich war dies einer der erholsamsten Urlaube, die ich je erlebt hatte. Meine Kinder waren so beschäftigt, dass sie gar nicht zum Streiten kamen. Sie hatten Spaß daran, auf dem Hof mitzuhelfen und genossen natürlich auch die Nachmittage am Strand. Natürlich wurden ihnen manche Arbeiten nach einiger Zeit auch anstrengend, umso mehr konnten sie im Nachhinein dann aber wirklich den Wert dieser Produkte schätzen.
Seitdem haben wir verschiedene Höfe kennen gelernt und viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Ich habe festgestellt, dass es für die Kinder keine „Strafe“ ist, mitarbeiten zu müssen, sondern eine sehr befriedigende Erfahrung für sie darstellt. Sie sind stolz auf das, was sie schaffen und erreichen, sie freuen sich darüber, dass ihre Hilfe so geschätzt wird.
Auf manchen Höfen sind die Unterkünfte sehr einfach und auch bei den Lebensmitteln wird gespart. Wir erlebten es einmal, dass uns zum Frühstück nur Haferflocken mit gechlortem Wasser angeboten wurden, zum Mittagessen durften wir uns selber Kartoffeln und Zwiebeln ernten und auch Salat, aber nur die Salatblätter, die Löcher hatten und darum nicht mehr verkauft werden konnten. Zum Glück wurden die Brombeeren gerade reif und überall wuchsen Brennnesseln. So waren wir dann nach kurzer Zeit doch in der Lage, uns leckere Mahlzeiten zuzubereiten.
Mein Sohn blickte in dieser Zeit immer sehnsüchtig den Hühnern hinterher, er konnte vor lauter Kartoffeln mit Salat oder Kartoffel-Brennnesselsuppe plötzlich an nichts anderes mehr denken, als an ein leckeres Rührei. Aber die Hühnereier auf diesem Hof waren auch nur für den Verkauf bestimmt… Nach 10 Tagen wechselten wir zu einem anderen Hof. Dort wurde uns eine ganze eigene Ferienwohnung zur Verfügung gestellt und der Kühlschrank war gefüllt mit Eiern, Marmelade, Milch und Butter. Es gab frisches, selbst gebackenes Brot. Meine Kinder konnten ihr Glück kaum fassen. Und ich habe mich innerlich kaputt gelacht. Natürlich haben wir zuhause auch immer einen gut gefüllten Kühlschrank und sogar eigene Hühner und so auch täglich frische Eier. Aber erst nach diesen 10 Tagen mit Haferflocken und gechlortem Wasser konnten meine Kinder diese Lebensmittel richtig wertschätzen und sich ernsthaft darüber freuen.
Dieser Haferflocken-Chlorwasser-Hof ist uns übrigens trotzdem in sehr guter Erinnerung geblieben. Die Familie dort war herzlich und die Lage war sehr idyllisch. Es gab nur eine Dusche im Freien unter der man kalt duschen konnte, was bei 15 Grad Celsius und Dauerregen einige Überwindung kostete, aber auch das ließ uns alle bewusst darüber nachdenken, wie gut es uns geht und was für ein Luxus es ist, einfach den Wasserhahn aufdrehen zu können und warmes fließendes Wasser zu haben. Mein Sohn hat auf diesem Hof mit der Hilfe von zwei anderen WWOOFern an einem rutschigen Hügel eine Steintreppe gebaut. Er hatte mit seinen 12 Jahren anscheinend mehr Ahnung vom Treppenbau, als die anderen beiden jungen Männer und leitete sie schließlich an. Unser Gastgeber sagte zum Abschied, dass er für den Rest seines Lebens immer an meinen Sohn denken würde, wenn er über diese Treppe laufen würde. Und das war für meinen Sohn natürlich auch eine sehr schöne Erfahrung.
Ich möchte euch alle ermutigen, gemeinsam mit euren Kindern WWOOFen zu gehen!!! Eure Kinder werden so viele schöne, prägende Erfahrungen sammeln und verstehen, dass es nicht selbstverständlich ist, immer nur alles vorgesetzt zu bekommen. Es wird eure Kinder stark und stolz machen, wenn sie sehen, was sie mit ihrer Hilfe erreichen können. Und wie sie selber, mit ihrer eigenen Kraft, in der Lage sind, bleibende Erinnerungen zu schaffen. Ihr werdet so viele neue Menschen kennen lernen und euch auch mit den Tieren auf den Höfen anfreunden.
Macht euch und euren Kindern mal bewusst, was ihr normaler Weise für ein paar Wochen Urlaub mit Vollpension bezahlen würdet. Und für dieses ganze Geld würdet ihr vielleicht gelangweilt am Strand liegen und die ganze Zeit versuchen, die Streitereien zwischen euren Kindern zu schlichten.
WWOOFt euch doch lieber glücklich!!! Macht selber viele tolle neue Erfahrungen und greift dabei noch Bio-Landwirten unter den Arm, die eure Hilfe wirklich gebrauchen können!!!
Viele WWOOF-Höfe sind bereit, Familien mit Kindern aufzunehmen. Auch jüngere Kinder sind willkommen, wenn sich die Eltern zum Beispiel in die Betreuung einteilen. Manche Höfe haben eigene Kinder, die sich über Spielkameraden freuen.
Wenn ihr euch als Familie entscheidet, auf einem Hof zu WWOOFen, solltet ihr euch vorher auf jeden Fall überlegen, ob eure Kinder schon alt genug und auch bereit dazu sind, mitzuhelfen, oder ob sie während des Aufenthalts betreut werden müssen. Macht euren Kindern bewusst, was sie erwarten wird und holt euch ihr Einverständnis, dass sie bereit sind, mitzuhelfen. Fragt euch als Eltern, ob ihr bereit seid, euch mit der Betreuung von kleinen Kindern abzuwechseln, damit immer ein Elternteil mitarbeiten kann. Und dann sprecht euch ganz genau mit den Höfen ab, damit sie auch wissen, was sie erwartet. Dann werdet ihr unvergessliche Erfahrungen machen!
WWOOFen als Familie – Tipps
✅ Gute Kommunikation: Besprecht im Voraus Erwartungen mit den Gastgeber:innen. Sagt ihnen, wie alt eure Kinder sind und was sie erwarten können. Besprecht alles auch mit euren Kindern!
✅ Anpassungsfähigkeit: Seid offen für neue Erfahrungen, flexible Tagesabläufe und einfache Lebensbedingungen.
✅ Teamarbeit: Teilt Aufgaben fair auf, damit sowohl Eltern als auch Kinder eine positive Erfahrung machen.
✅ Respekt & Dankbarkeit: Behandelt eure Gastgeber:innen und deren Lebensweise mit Respekt – ein kleines Dankeschön (z. B. eine Postkarte später) kommt immer gut an.
✅ Kindgerechte Planung: Achtet darauf, dass eure Kinder in die Arbeiten eingebunden werden und trotzdem genug Zeit zum Spielen haben.



