Vorgeschichte

Sue Coppard und Die WWOOF Geschichte

London, die swingenden 70’s. Sue Coppard, Sekretärin im Royal Art College und Akkordeonspielerin, wünscht sich nichts sehnlicher, als raus aufs Land zu kommen und hat die zündende Idee: Wenn sie auf einem Hof mithilft, kann sie dort vielleicht Zeit verbringen. Und wäre es nicht sogar noch schöner, das gemeinsam mit anderen Leuten zu tun?

Sue fragt sich, ob noch irgendjemand anderes dasselbe Bedürfnis haben könnte, wie sie. Was tun, wenn das Internet noch in der gleichen Ursuppe schwimmt, wie das weltweite Netzwerk von Biohöfen, das da gerade geboren wird?

Eine Zeitungsannonce aufgeben! Und genau das macht Sue. Tatsächlich melden sich 15 Leser:innen, von denen 2 auch tatsächlich auftauchen, um an einem Wochenende gemeinsam in Sussex am Emerson College, einer Landbau-Schule, freiwillig zu helfen. Die Sonne scheint, Vögel singen und die Townies haben interessante Gespräche, während sie ein Feld von rankenden Brombeeren befreien und einen Bachlauf freilegen. Natürlich trifft man sich in angemessenen Abständen zum Tee. Sue’s Schlafplatz ist in einem kleinen Häuschen, Kräuter hängen zum Trocknen von der Decke, der Mond scheint hinein und Eulen buhuhen im Hintergrund. Es ist der Himmel, bekommt aber einen anderen Namen: WWOOF ( zunächst für: Working Weekends on Organic Farms)

Sue auf der WWOOF International Conference 2014 in der Türkei, zusammen mit WWOOF-Coordinators von 5 Kontinenten

Sue und ihre wachsende WWOOFer-Truppe bekommt ein Gefühl dafür, was ökologische Landwirtschaft bedeutet und je mehr sie lernen, desto begeisterter und leidenschaftlicher wird gewwooft. Später wird Sue stolz sein, dass sie einem Höfler und dessen Sohn zeigen kann, wie Heuballen auf eine auch wirklich stabile Art und Weise aufgeschichtet werden können – so wie sie es im Emerson gelernt hat. Oder wie man Holzscheite so mit der Rinde nach außen stapeln kann, dass ihnen die Feuchtigkeit nichts anhaben kann.

Mehr WWOOFer und Höfe schließen sich „Coppards Land Army“ an, wie ein früher Zeitungsartikel das neue Phänomen betitelt. Bald werden nicht mehr nur gemeinsame Wochenenden organisiert sondern WWOOF wird zur „fix it yourself“-Angelegenheit: WWOOFer vereinbaren individuell Aufenthalte auf Höfen.

Nach zwei Jahren unternimmt Sue das, was sie selbst als die zweitbeste Sache bezeichnet, die sie für WWOOF gemacht hat: Sie übergibt die Organisationstätigkeiten, die sie zuvor weitestgehend allein bewältigt hat, an mehrere Menschen und unternimmt eine 15 monatige Reise nach Asien, in die Karibik und nach Hawaii, um danach zu WWOOF zurückzukehren und miterleben zu dürfen, wie sich ihre Idee wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt ausbreitet.

Heute lebt Sue Coppard in einem kleinen Haus mit Garten in Wiltshire. Das kulturelle Angebot sei dort so groß, dass ein Mensch wie sie 4 Leben damit füllen könnte, sagt Sue. Sie macht nach wie vor Musik und ist wieder Sektretärin: Im lokalen Akkordeon-Verein, wo sie auch Unterricht gibt. Und dann ist Sue ja auch noch Gärtnerin und liebt es wie eh und je, den Vögeln zuzuhören, während sie mit den Händen in der Erde gräbt.

Sue Coppard auf dem European WWOOF Coordinators Meeting 2019 in Ungarn, gemeinsam mit Tori (USA) und Frank (Deutschland)